Autismus - was ist das?
Fremd in einer fremden Welt
Autismus ist keine seltene
Behinderung, über ein Prozent der Bevölkerung ist von Störungen aus dem
Autismus-Spektrum betroffen. In Deutschland sind das etwa 570.000 Menschen, in
Stadt und Landkreis Karlsruhe ca. 5.000, im Einzugsgebiet des Regionalverbandes
ca. 12.000 Menschen. Jungen und Männer sind dabei viel häufiger betroffen als
Mädchen und Frauen.
Menschen mit Autismus fällt es schwer, sich in Gedanken und Gefühle anderer
hineinzuversetzen. Ihre visuellen und auditiven Wahrnehmungen sind oft deutlich
intensiver als bei anderen Menschen, daher scheint das Gehirn als Selbstschutz
die Reizüberflutung auszublenden. Auch Berührungen können aufgrund der
Überempfindlichkeit ihres Tastsinns unangenehm sein.
Autisten ecken mit ihrem Verhalten oft an und sind in ungewohnten
Situationen häufig überfordert. Deshalb brauchen sie ein verlässliches Umfeld
mit festen Abläufen und Ordnungen, um sich in die für sie oft bedrohliche
Gesellschaft zu integrieren.
Eine Autistische Störung kann mit geistiger Behinderung einhergehen, aber
ebenso mit normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz. Manche Menschen mit
Autismus haben unglaubliche Sonderbegabungen, etwa extreme Rechenleistung oder
ein außergewöhnliches musikalisches Gedächtnis. Bei entsprechender Förderung
können sie wertvolle Arbeit, z.B. im IT-Sektor, leisten. Die Einteilung
autistischer Störungen erfolgt in die drei Hauptkategorien Kanner-Autismus
(frühkindlicher Autismus), Asperger-Syndrom und atypischer Autismus. Heute
spricht man häufig auch von Autismus-Spektrum-Störung. Dies wird dem fließenden
Übergang zwischen den verschiedenen Ausprägungen besser gerecht. Trotzdem ist
die Untergliederung laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiterhin üblich.
Obwohl Autismus etwa gleich häufig wie Blindheit oder Taubheit auftritt,
mangelt es bisher an spezifischen Angeboten für die Betroffenen und ihre
Familien. So wird die Betreuung von Menschen mit Autismus fast durchgängig von
den Familien geleistet – oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber
hinaus.
Wenn die Eltern aus Krankheits- oder Altersgründen diese Betreuung nicht mehr
leisten können, bleibt oft als einzige Alternative ein Wohnheim für geistig
behinderte Menschen. Dieses wird den Bedürfnissen von Menschen mit Autismus
selten gerecht, so dass ihnen die optimale Förderung versagt bleibt.
