PECS

Picture Exchange Communication System = Bilder-Tausch-Kommunikations-System


Beschreibung

PECS wurde Mitte der achtziger Jahre von Lori Frost und Dr. Andy Bondy als alternatives Kommunikationssystem entwickelt. Es wurde zunächst im Deleware  Autistic Program (USA) bei Kindern mit Autismus eingesetzt. Später stellte sich heraus, dass die Methode auch für Jugendliche und Erwachsene geeignet ist. Die Anwendung von PECS blieb nicht auf Menschen mit Autismus beschränkt. Inzwischen nutzen es viele andere, deren  Sprachvermögen eingeschränkt oder nicht vorhanden ist. 1994 gründeten die beiden in Newark, Deleware ihre Firma Pyramid Educational Consultants und begannen, Angehörige und Fachleute auszubilden. Der Erfolg der Methode sprach sich schnell herum und bald wollten Menschen aus anderen Ländern PECS übernehmen. So  wurde 1998 die Niederlassung in Großbritannien eröffnet. Es folgten Kanada und Australien. Mittlerweile ist Pyramid Educational Consultants in Griechenland, Spanien, Frankreich und Japan vertreten. Seit Januar 2010 gibt es auch eine deutsche Niederlassung und im nächsten Jahr werden Rumänien und Südkorea folgen.

In mehr als 40 Ländern wurden bereits PECS-Kurse durchgeführt, mehr als 130.000 Menschen wurden ausgebildet. Das Trainingshandbuch wurde über 300.000 mal gedruckt und ist in sieben Sprachen erhältlich: englisch, spanisch, französisch, japanisch, griechisch, italienisch und brasilianischem Portugiesisch. Die deutsche Fassung wird im Frühjahr 2011 vorliegen. Arabische, russische und rumänische Ausgaben werden ebenfalls in 2011 erscheinen. Da ist es kein Wunder, dass PECS im Ratgeber "Autistische Störungen" beschrieben wird als "das bekannteste und effektivste System", um alternative Kommunikationsformen zu fördern. (F. Poustka / S. Bölte / S. Feineis-Matthews / G. Schmötzer: Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie, Band 5, Göttingen 2004, S.61) 

Das breite Spektrum von ABA (Applied Behavior Analysis = Angewandte Verhaltens-analyse) und das Buch „Verbal Behavior“ von B. F. Skinner bilden den theoretischen Hintergrund. Daraus entwickelte Andy Bondy den Pyramid Ansatz für die Erziehung – der der Firma den Namen gab -, auf dem PECS basiert. Es ist ein einzigartiges Lehrmodell, das eine effektive Lernumgebung für Menschen mit Entwicklungsstörungen und/oder Lernbeeinträchtigungen schafft.

Strukturellen Elemente bilden die Basis der Pyramide. Sie schaffen die Umgebung, die das Lernen fördert:

1.     funktionelle Aktivitäten

2.     Verstärkersysteme

3.     Funktionelle Kommunikation

4.     Veränderung von situationsbezogenem, unangemessenem Verhalten

Die Seiten der Pyramide sind die Elemente für einen erfolgreichen Unterricht:

1.     Generalisierung

2.     Effektiver Unterricht

3.     Lehr- und Promptstrategien

4.     Fehlerkorrektur

Wenn alle Elemente kombiniert werden, führt dieser Ansatz in verschiedenen Zusammen-hängen zum Erfolg. Die Pyramide betont mehr das „Wie“ des Lehrens als das „Was“ und erlaubt eine maßgeschneiderte Anpassung des Unterrichts an die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Schülers. Betroffene Personen können durch die Verwendung von PECS Kommunikation im sozialen Zusammenhang verstehen und von sich aus beginnen.  Einer der vielen Vorteile von PECS ist, dass zur Anwendung kein aufwendiges oder teures Material benötigt wird. Es wurde für PädagogInnen, TherapeutInnen, BetreuerInnen und Angehörige entwickelt und kann in vielfältigen Zusammenhängen eingesetzt werden.

Der Unterricht in PECS besteht aus sechs Phasen, die aufeinander aufbauen:

In Phase I geht es um das „Wie“ der Kommunikation. Ziel ist, dass der Schüler, wenn er einen begehrten Gegenstand haben will, eine Bildkarte (Symbol) nimmt und der Lehrerin/Kommunikationspartnerin übergibt. Dazu lockt die Kommunikationspartnerin mit dem Objekt und wartet, bis der Schüler initiiert. Im Gegenzug bekommt er sofort den gewünschten Gegenstand.

In Phase II wird die Spontaneität des Schülers erweitert. Ziel ist, dass der Schüler zu seinem Kommunikationsbuch geht, das Bild abnimmt, zur Kommunikationspartnerin geht und ihr die Karte in die Hand gibt. Hierbei lernt der Schüler, dass er auch Entfernungen überwinden und sich bemerkbar machen kann, um das zu bekommen, was er haben möchte. Das ist bei unsern Schülern nicht selbstverständlich.

In Phase III geht es um die Unterscheidung von Bildern. Ziel ist, dass der Schüler das Objekt mit dem richtigen Bild verknüpft. Bisher war es nicht wichtig, ob der Schüler einen Zusammenhang zwischen Bildinhalt und Objekt herstellen kann. Ab jetzt muss das Bild zum Objekt passen. Der Schüler wählt jetzt zwischen zunächst zwei Bildern aus. Im Lauf des Trainings werden es immer mehr. Dann können wir sicher  sein, dass der Schüler den Zusammenhang zwischen Bild und Objekt versteht.

In Phase IV geht es um die Satzstruktur. Ziel ist es, dass der Schüler einen ganzen Satz bilden kann, der mit „Ich möchte“ beginnt. Zunächst ist es ein 2-Bild-Satz, der später erweiter wird. Schüler und Kommunikationspartnerin „lesen“ gemeinsam den Satz. In dieser Phase wird durch Zeitverzögerung beim Lesen Sprache angebahnt. Erfahrungsgemäß beginnen ca. 70 % der Kinder, die im Alter von 2 – 7 Jahren mit PECS beginnen, Sprache zu entwickeln.

In Phase V soll der Schüler auf die Frage „Was möchtest Du?“ antworten. Das Ziel ist, dass er spontan aus einer Vielzahl von Sachen auswählen und so auf die Frage „Was möchtest Du?“ antworten kann. Weiterhin initiiert der Schüler so oft wie möglich – eine entscheidende Fähigkeit gerade bei Menschen mit Autismus, die eher weniger initiativ sind.

In der sechsten und letzten Phase geht es um beschreibende und spontane Kommentare. Der Schüler soll angemessen auf Fragen wie „Was möchtest Du? Was siehst Du? Was hast Du da?“ antworten, wenn sie ihm gestellt werden, aber allmählich auch spontan kommentieren und seine Gefühlswelt bzw. Befindlichkeit mitteilen können.

Wie schnell ein Schüler lernt und wie er weit kommt ist individuell verschieden. Es kann Tage oder Wochen dauern. Die erste Phase wird meistens schnell gemeistert – und nicht jeder Schüler kommt bis zur Phase sechs. Entscheidend ist jedoch, dass er  sich mitteilen kann, soweit sie ihm möglich ist und damit an Eigenständigkeit gewinnt. Im gleichen Maße verringert sich das situationsabhängige unangemessene Verhalten.

Alles, was Sie für PECS brauchen, können Sie in einem zweitägigen Basiskurs lernen. Danach können Sie sofort anfangen.

Text: Pyramid Educational Consultants - als pdf-Dokument


Filme zu PECS:

http://www.youtube.com/watch?v=ZP48lxnNdHM
http://www.youtube.com/watch?v=ZP48lxnNdHM



Unsere Buchempfehlungen zum Thema PECS:


PECS Training Manual. Lori A. Frost/Andy Bondy

(2011, 2. Auflage, Verlag Pyramid Educational Consultants Inc, 75 Seiten mit CD, ISBN-10: 1928598013)

Die zweite ueberarbeitete Neuauflage dieses sehr populären Trainingshandbuchs bietet umfassende Anleitungen zur Anwendung des Picture Exchange Communication System. Das Trainingshandbuch beginnt mit einer Beschreibung des Pyramid Ansatzes in der Erziehung, der die Grundlage von PECS darstellt. Es folgt ein detailliertes Kapitel ueber funktionelle Kommunikation. Jede der sechs Trainingsphasen wird in ihrer Zielsetzung, den Trainingsschritten, häufig gestellten Fragen, hilfreichen Tipps und Musterbögen zur Datenerfassung beschrieben. Die Autoren erläutern im Detail, wie das PECS- und zusätzliches Kommunikationstraining während des gesamten Tages und in jeder Umgebung verwirklicht werden können. Umfassende Anhänge enthalten Evaluationsbögen, Datenformulare, Verstärkerbögen und Kommunikationsaufbauformulare zur Vervielfältigung. Diese Elemente ergänzen sich zu einem verständlichen und essentiellen Instrument zur korrekten Anwendung von PECS. Zum Lieferumfang gehört eine CD mit Datenblättern und Checklisten für alle Phasen.

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Comic Strip Gespräche. Carol Gray, Übersetzt von Petra Kind

(2011, 1. Auflage, Verlag Sequenz Medien Produktion , 36 Seiten, ISBN 978-3-940190-65-9)

COMIC STRIP GESPRÄCHE - eine Methode, konzipiert und in der Praxis erprobt, um die Konversation mit autistischen Kindern zu ermöglichen, strukturieren, veranschaulichen, lehren...
Jedoch ist das Anwendungsspektrum, wie die Erfahrung gezeigt hat, viel größer:
Kennen sie diese Situation, das Kind ist sprachlich sehr eingeschränkt, die Logopädie hilft wunderbar, Sprechfähigkeiten zu entwickeln oder auszubauen, aber die kognitiven Fähigkeiten würden das Kindzu umfangreichen Gesprächen befähigen. Der Ungeduld und Verzweiflung des Kindes kann mit dieser Methode begegnet werden.
Oder Schlaganfallpatienten können noch nicht wieder deutlich artikulieren, die Merkfähigkeit ist eingeschränkt, der Patient schläft während des Gesprächs ein, weil die Kraft nicht mehr reicht... Mit dieser Methode kann man Gesprächsansätze bis zum nächsten Mal konservieren.
Und abgesehen davon, macht es auch ganz normalen Schulkindern viel Spaß, diese "Fremdsprache" zu erlernen und anzuwenden. Ist es doch eine Art Vorstufe zum Mindmapping und hilft Planungen durchzuführen oder Alternativen zu finden.
COMIC STRIP GESPRÄCHE laufen wie ganz normale Unterhaltungen ab, nur dass man nebenher genauso normal zeichnet. Die Zeichnungen sind vereinfacht und standardisiert. Sie strukturieren und visualisieren das Gesagte. Autisten u.a. haben oft Probleme mit dem Tempo eines "normalen" Gesprächs, mit der Vielzahl der Themen und dem Informationsaustausch, der nicht nur durch Worte statt findet, all den verwirrenden Nebenschauplätzen aus Gestik, Mimik, Augenausdruck, Tonlage...
COMIC STRIP GESPRÄCHE kommen zunächst ohne Mimik, Tonlagen, Gestik aus, können aber durch die Bilder dennoch all diese Elemente nach und nach erklären. Zudem können sie konkrete soziale Aspekte einer Situation klären helfen. Sie können das Verständnis der Kinder für die abstrakten Elemente eines Gespräches fördern. Auf Papier verewigt, können sie immer wieder betrachtet und durchdacht werden.
Entwickelt wurden die COMIC STRIP GESPRÄCHE von Carol Gray zusammen mit autistischen Kindern. Sie ist Direktorin des "The Gray Center for Social Learning and Understanding", einer Organisation, die sich in den USA um die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Autismusspektumsstörungen kümmert.
Die COMIC STRIP GESPRÄCHE wurden erfolgreich bei "KOMM-mit e. V.": angewendet, einem deutschen Verein, der sich die gleichen Ziele gesetzt hat und Kinder und Jugendliche vor allem in Regelschulen begleitet. So war es nur folgerichtig, diese einfache und effektive Kommunikationsmethode durch Übersetzung ins Deutsche einem größeren Anwenderkreis zugänglich zu machen.

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Zwei Wege zur Kommunikation - Praxisleitfanden zu TEACCH und PECS. Gabriele Kühn/Jana Schneider

(2009, 1. Auflage, Verlag hörgeschädigte Kinder, 72 Seiten mit CD, ISBN-10: 3924055432)

Menschen, die sich nicht über Lautsprache verständigen können, brauchen Unterstützung bei der Kommunikation und bei der Entwicklung ihrer kommunikativen Fähigkeiten. Das Buch zeigt, wie man ohne aufwendiges oder teures Material mit Hilfe der Kommunikationskonzepte PECS und TEACCH - die beide mit visuellen Zeichen arbeiten - einen Zugang zu Menschen mit kommunikativen Beeinträchtigungen oder einer Autismus-Spektrum-Störung aufbauen kann, so dass diese sich mitteilen, andere verstehen und soziale Beziehungen aufbauen können. Die Autorinnen arbeiten seit Jahren mit diesen beiden Kommunikations-Systemen und präsentieren in diesem Buch ihre persönlichen Erfahrungen bei der Umsetzung der Konzepte anhand von Fallbeispielen aus ihrer reichen Praxiserfahrung. Die CD enthält Arbeitsvorlagen (Fragebogen zum Stand der Kommunikationsfähigkeit, PECS-Checkliste, Dokumentation der PECS-Phasen etc.) sowie Videoaufnahmen, die einen beeindruckenden Einblick in die tägliche Arbeit mit PECS und TEACCH vermitteln. 

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Materialien für PECS:

Beim Autismusverlag finden Sie neben den Büchern auch ausgewählte Produkte, die Ihnen im Praxis- Alltag, in Schule und Werkstatt, im Kindergarten und zu Hause helfen können: Materialien und Werkstoffe - von Laminierfolien bis zu transparenten Blicktafeln - aber ebenso Förderprodukte, Spiele, Ordnungshilfen, Bücher und vieles mehr...

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