(Sozialtraining für Kinder und Jugendliche mit frühkindlichem Autismus, d. h. mit erhöhtem Betreuungsbedarf)
Nachdem sich das Sozialtraining I für Menschen mit Asperger-Autismus oder so genanntem „High-functioning-Autismus etabliert hat, kam die Frage auf, warum nicht auch für die Betroffenem mit frühkindlichem Autismus ein Sozialtraining stattfindet!
Nun haben wir damit begonnen!
Im Sozialtraining II besteht ein sehr hoher Betreuungsbedarf, im Augenblick besteht die Gruppe aus drei autistischen Kindern im vorpubertären Alter, die 1:1 betreut werden.
Inhalte des Trainings sind:
1. Strukturierungen nach TEACCH verstehen lernen und anwenden. Das beinhaltet z. B. die Verwendung von Bildkarten, Ortdefinitionen (Wo gehen wir hin? Wo soll ich sitzen? Wo kommt der Teller hin?) und Zeitdefinitionen (über verständliche Uhren: Time-Timer, Stoppuhren).
Die TEACCH-Prinzipien werden angewendet auf: Stadtgänge, Spielplatzgänge, Einkäufe, Spiele (hier auch wichtig: Warten und Drankommen), Begrüßungsrituale, Tisch decken, essen und trinken, auch das Essen und Trinken vorbereiten, den Tisch abräumen und das Geschirr spülen und abtrocknen.
2. Unterstützung der Kommunikation durch Prinzipien der gestützten und unterstützten Kommunikation, durch die Verwendung von Gesten und natürlich durch die Verwendung der gesprochenen Sprache, bzw. durch den Aufbau der gesprochenen Sprache, so wie Ansätze vorhanden sind.
3. Unterstützung der sozialen Interaktion und überhaupt des gemeinschaftlichen Tuns und Erlebens.
Das Sozialtraining II ist ein Training, wie der Name bereits sagt, d. h. wir streben einen Lernfortschritt an, die Teilnehmer sollen sich in ihren Fähigkeiten immer mehr verbessern.
Es wird also an einer „Erweiterung der Verhaltenskompetenzen“ gearbeitet, ganz wie in einer Therapiesituation. Nur nutzen wir Alltagsaufgaben, um eine direkte Umsetzung bzw. Anwendung in der Notwendigkeit des Alltags zu erreichen.
Dabei arbeiten wir nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien wie Verstärkung und Löschung. Gerade unangemessenes Verhalten erfährt oft Zuwendung, welche das Verhalten verstärkt. Im therapeutischen Team können wir gut auf unsere Reaktionen achten und wir haben in diesem hohen Betreuungsschlüssel auch die Möglichkeit, "gut" zu reagieren.
Neben dem angestrebten Lernfortschritt soll die gemeinsam verbrachte Zeit auch einfach wie eine "Insel" sein, ein Außer-Haus-Angebot jenseits von Schule und Familie.
Weitere Teilnehmer sind erwünscht, sofern sie zur Gruppe passen. Bitte anfragen!
Rolf M. Seemann (Dipl.- Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut)